Hanspeter Betschart ist der Vertrauensarzt der Schweizer Sportstars. Am Mittwoch, 2. Mai, spricht er am RHEMA Sportdialog über seine Arbeit, die Beziehung zu Thomas Litscher, Nicolas Lüchinger und Olympiasieger Dario Cologna.

 

Altstätten. – So nahe an die Sportstars wie er kommt wohl kein anderer: Hanspeter Betschart ist Sportarzt und sorgt sich für die Gesundheit der Spitzensportler. Als Verbandsarzt von Swiss Cyling, Swiss Ski Nordisch und Swiss Sliding ist er am Puls des Geschehens und reist mit seinen Schützlingen bei wichtigen Wettkämpfen um den Globus. „Grundsätzlich pflege ich eine ganz normale Arzt-Patientenbeziehung mit meinen prominenten Patienten“, sagt der Facharzt für Allgemeinmedizin und Sportmedizin. Durch die zum Teil jahrzehntelange Betreuung komme es aber vor, dass man auch über andere Dinge spreche, als über Sport und Medizin. Denn gemeinsame Erlebnisse verbinden. Am liebsten erinnert sich Betschart an positive Ereignisse. Beispielsweise an den Triumpf von Dario Cologna in Südkorea, als er seinen vierten Olympiatitel holte oder an den Moment, als Mountainbiker Thomas Litscher an der Weltmeisterschaft die Bronzemedaille gewonnen hat. „Die Emotionen sind meine Hauptmotivation für meine Tätigkeit“, sagt der sympathische Arzt. Man müsse Freude am Sport haben, bereit sein auch an Wochenenden oder nach Feierabend zu arbeiten und für die Sportler da zu sein. Wegen dem Geld oder dem Ruhm müsse man diese Tätigkeit nicht machen: „Das wäre die falsche Motivation.“

 

Auf Genesung konzentrieren

Bei der Genesung nach einer Sportverletzung gibt es gemäss dem Facharzt keine grossen Unterschiede zwischen Spitzensportlern und Breitensportlern: „Beiden stehen grundsätzlich dieselben Möglichkeiten und Therapien offen. Bei Spitzensportlern ist es meist so, dass diese einen austrainierten Körper haben, sich voll auf die Genesung konzentrieren können und sich in einem optimalen Umfeld bewegen.“ Von Zweiklassenmedizin will der Sportarzt nichts wissen: „Der Spitzensportler oder sein Club haben grosses Interesse, dass die Ausfallzeit kurz bleibt. Denn sie verdienen ihr Lebensunterhalt durch den sportlichen Einsatz.“ Deshalb seien Profisportler teilweise vor wichtigen Wettkämpfen bereit, ein grösseres Risiko bezüglich dem Einsatz einzugehen. Vorausgesetzt, die Gefahr ist nicht zu gross. Druck von Clubs spürt Hanspeter Betschart hingegen eher weniger: „Meist sind es die Athleten selber, die möglichst rasch wieder ihre Leistung abrufen möchten und unter dem verletzungsbedingten Ausfall leiden.“ Hobbysportler hingegen lassen sich mehr Zeit bis zur vollständigen Genesung. Sie können und müssen je nach Verletzung ihrer täglichen Arbeit, beispielsweise im Büro, nachgehen und stehen daher nicht unter demselben Zeitdruck.

 

Erfahrung zählt

Wichtig ist in jedem Fall die Erfahrung und Beratung des medizinischen Betreuers und dessen Bereitschaft nötigenfalls die entsprechenden Experten beizuziehen. Hanspeter Betschart steht mit seinen medizinischen Diensten im Sports Medical Center von medbase in Abtwil allen Patienten offen. Es gebe auch viele Breitensportler, die mit ihrem Anliegen ganz bewusst zu ihm kommen und so von seiner Erfahrung profitieren wollen. Trotzdem: Sowohl für Hausärzte als auch für ihn sei es wichtig, die eigenen Grenzen zu sehen und nötigenfalls einen Patienten mit seinem Problem weiter zu schicken. In Anbetracht all der drohenden Verletzungsgefahren und Abnutzungserscheinungen im Spitzensport stellt sich die Frage, ob dieser aus medizinsicher Sicht überhaupt gesund ist. Dazu hat Hanspeter Betschart eine klare Haltung: „Nichts tun ist ungesünder!“

 

Der mehrfache Olympiasieger und Weltmeister Dario Cologna (r.) zusammen mit seinem Sportarzt Dr. Hanspeter Betschart (l.). Ihm vertrauen zahlreiche Sportstars. Am RHEMA Sportdialog erzählt der Mediziner von seinen Erfahrungen und Erlebnissen. Foto: pd.